Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Ich wollte schon immer mal das Wort Neger benutzen …

Natürlich hat das nichts mit Rassismus zu tun, zumindest nicht im Wortsinn.

Ich meine hier ja nicht unseren dunkelhäutigen Mitbürger sondern den metaphorischen Neger. Nicht etwa den Negersklaven aus „Onkel Tom’s Hütte“, der war ja trotz gegenteiliger Darstellungen mehr ein Besitz, eine Wertanlage und ein Produktionsmittel welches man zumindest „einsatzfähig“ erhalten musste. Eher schon den aus „Und dann hörten wir den Donner“ (And then we heared the thunder, J.O.Killens) oder den aus der Zeit der Apartheid in Südafrika.

Also, einfach gesagt, den Neger als Unperson.

Warum gerade dies, warum heute und warum überhaupt dieser Beitrag?

Die letzten 15 Jahre waren sozusagen ein Selbstversuch in Sachen Neger.

Einige können sich vielleicht erinnern, dass ich früher für den ADAC gearbeitet habe, heute arbeite ich wieder im Dienstleistungssektor und so ist auch diese Betrachtung entstanden.

Mal von vorn, angeblich sind wir ja eine Dienstleistungsgesellschaft. Eigentlich sind wir aber eine Gesellschaft von Unpersonen. Es ist nur nicht so ersichtlich, es ist gut versteckt.

Im Kundendienst, oder allgemein im Dienstleistungsgewerbe, lernt man als Erstes dass man den Kunden freundlich grüßt, höflich behandelt und ihn immer mit Namen anspricht. Unterschwellig lernt man auch, dass man Gleiches von Seiten des Kunden nicht erwarten sollte. Schließlich ist man der, der den Dienst leistet – der Dienstleister.

Von Seiten des Kunden stellt sich das so dar, er hat den Anspruch auf einen Gruß, namentliche Ansprache und Höflichkeit durch die Unperson Dienstleister aber keine Verpflichtung Selbiges zu erwidern.

In Zeiten der strikten Klassentrennung war das kein Problem. Der Herr / die Herrin bezahlte das Dienstpersonal für Dienstleistung, Freundlichkeit und Höflichkeit. Das Personal verkaufte diese Leistungen und Eigenschaften.

Heute, in der Dienstleistungsgesellschaft, ist das aber anders. Wir sind wechselseitig Kunde und Dienstleister. Daraus folgt, dass wir eben mal als Neger behandelt werden und mal Andere als eben solche behandeln.

Als Verkäufer (oder anderer Dienstleister) ärgern wir uns über den Kunden, als Gast im Hotel ignorieren wir erfolgreich die Zimmerfrau. Als Kunde verlangen wir die namentliche Anrede, wenn wir aber vom Call-Agent am Telefon den Namen fordern, dann kann dieser das nur als Drohung verstehen. „Ich kenne Ihren Namen – für eine Beschwerde.“

Ergo: Mal bin ich Neger – mal bin ich Massa!

Wenn ich mich (wir alle uns) also selbst so benehme, wie soll ich dann von der Gesellschaft die Achtung meiner Person verlangen?

Nochmal zurück (bevor mich jemand darauf anspricht) zu diesem Sklaverei-Ding. Wenn Ihr das nächste Mal an eine solche Stellung denkt, dann denkt auch daran Euer Chef (dieser Sklaventreiber)  ist auch nur der Neger von jemandem anders.

Also wenn Ihr früh aus dem Haus kommt und da ist Einer in oranger Kleidung, der Euch den Gehweg reinigt, sagt mal „moin“. Die Verkäuferin an der Supermarktkasse hat ein Namensschild. Da kann man auch mal „Frau Maier“ sagen (evt. sogar mit „Schönen Tag noch“ verbunden). Der Typ am Telefon, der Euch fünfmal in einem Dreiminuten-Telefonat mit „Herr/Frau…“ anspricht, freut sich auch, wenn sein Name mal ohne Drohung ausgesprochen wird.

Vielleicht  könnte dieses Neger-Ding dann mal anders aussehen.

Nun doch nochmal zum Rassismus (ganz provokativ). Wie soll eine Gesellschaft deren Mitglieder so miteinander umgehen mit Anderen (ob nun andersstämmig, andersfarbig, anderslebend oder, oder …) anders umgehen?

Schönes Wochenende Euch allen.

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