Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Warum nur Worte? – Noch mal zur Literatur

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage. Ich kann Ihnen auch nicht helfen.

Irgendwo (ich werde wohl langsam alt) habe ich schon mal geschrieben, dass wiederholte Äußerungen zu einem Thema nicht mein Ding sind. Aber nach den, teils unsäglichen, Diskussionen der letzten Tage gehe ich nochmal in mich und schreibe nochmal etwas zum Thema.

Ich bin immer noch gegen die nachträgliche Veränderung der Literatur.

Lustig am Thema ist allerdings das Eine. Es geht um einzelne Worte. Ich wiederhole diese hier nicht (ab und zu schon), Ihr wisst ja alle welche gemeint sind. Wer die Literatur nicht ändern will, der wird teilweise als ignorant (schlimmeres ist möglich/üblich), wer diese ändern will, der ist Angehöriger der Sprachpolizei.

Aber was ändert sich durch das Ersetzen des Negerkönigs in Südseekönig?

Betrachten wir doch mal das Standardwerk der Diskussion (Pippi Langstrumpf), dann müsste man ja noch vieles ändern. Die Begründung, dass man den Negerkönig-Kontext einem Kind nur schwer vermitteln kann ist etwas zu kurz gegriffen.

Wie vermitteln wir denn dann einem Kind folgende Inhalte des Buches?

1. Pippi liebt und bewundert ihren Vater, obwohl er ein schlechter Vater ist. Er lässt sie allein, treibt sich in der Welt herum und schreibt immer mal, dass er sie holen würde. Würde sie nicht eine Therapie brauchen?

2. Pippi lebt allein mit ihren, evt. nicht artgerecht gehaltenen Tieren, in einem Haus. Die marode Bausubstanz und die mangelnden hygienischen Bedingungen sind geradezu unerträglich.

3. Pippi geht nicht zur Schule und lebt von Geld dessen Herkunft dubios ist.

4. Es wird als heldenhaft dargestellt, dass sie die Vertreter der Staatsmacht vertreibt. Obwohl diese nur ihr Bestes wollen.

5. Sie hält ihre Freunde von einem normalen gesellschaftlichen, altersgerechten, Leben ab.

Erklärt nun mal Euren Kindern, warum sie die Heldin des Buches ist.

Ach ja, das ist ja eine Art Märchen, historisch bedingt ist der Handlungsstrang in dem sich ein Mädchen in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt. Warum fällt nun die Erklärung des Begriffes Negerkönig so schwer?

Andere Frage. Warum fällt es leichter ganze Bücher, oder Artikel, über korrekten Sprachgebrauch zu schreiben als ein neues Kinderbuch? Dieses könnte dann in Wortwahl und Handlung korrekt, der heutigen Zeit angepasst, sein.

Nochmals, ich habe es schon öfter betont, ich bestehe nicht darauf die Worte im allgemeinen Sprachgebrauch zu verwenden. Aber muss deshalb die Literatur (Und ja, auch Kinderbücher können dazu gehören) umgeschrieben werden?

Einige Fragen, die sich aus Märchen ergeben könnten:

-Warum haben die Eltern von Hänsel und Gretel nicht Bezüge lt SGB II beantragt?

-Warum hat sich Schneewittchen keinen Anwalt genommen?

-Warum mussten die kleinwüchsigen Männer die Bergwerksarbeit klaglos erdulden? Muss man nun Zwerge auch ersetzen?

-Warum musste Aschenputtel Kinderarbeit leisten, gab es kein Jugendamt?

Aus Huckleberry Finn könnte sich die Frage nach der Gewerkschaft der Landarbeiter erheben.

Sind wir nun wirklich fähig komplexe historische Zusammenhänge zu erklären, Worte aber nicht?

Ergo, es bleibt wohl nur der Vorschlag übrig, diese Bücher den Kindern nicht mehr zuzumuten. Ob mit oder ohne Änderungen.

P.S. Wenn ein Autor, in diesem Falle Otto Preußler, einer nachträglichen Änderung zustimmt, dann ist das seine Sache. Es ist sein Werk.

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Ein Gedanke zu „Warum nur Worte? – Noch mal zur Literatur

  1. Kaichen sagte am :

    Abgesehen davon kann man den rassistischen Grundtenor, dass ein Weißer zum König dieses Südsee-Volks wird, nicht durch eine veränderte Wortwahl abmildern. Und das Pippi sich von den Taka-Tuka-Insulanern täglich mit Schuhcreme einschmieren lassen will, damit sie „ebenso schwarz werde wie die anderen Neger“, empfinde ich persönlich auch schon als sehr grenzwertige Textstelle.
    Das führt dazu, dass man so oder so mit dem Kind über die fragwürdige Darstellung in dem Pippi-Buch reden müsste. So gesehen hätte man es auch gleich dabei belassen können und stattdessen den Eltern in Fußnoten einige Handreichungen geben können, wie man mit den Kindern das Thema am besten erörtert!

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