Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Ding Dong the witch is dead

dieses Lied ist heute (oder war es gestern – die Aufmerksamkeitsspanne wird immer geringer) der Hit in Großbritannien.

Würde also ein Ausserirdischer in Europa landen, einer der letztmalig Ende des 18. Jahrhunderts hier war, dann würde er wohl meinen diese Lied wäre der neue Musiktrend. Bei Erkenntnis des Zusammenhanges mit dem Tod von Margaret Thatcher, würde er sich wohl an die französische Revolution erinnern und denken das Volk hätte gerade eine Diktatorin gestürzt und geköpft.

Wenn er dann erfahren würde, dass gerade eine alte Frau gestorben ist, eine von der die meisten der Feiernden einige Tage vorher wahrscheinlich nicht wussten ob sie überhaupt noch lebt – dann würde er denken „Ach ja, diese Erdlinge“.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich mochte sie nicht als sie regierte und später war sie mir egal. Für die Bewertung des gesamten Artikels verweise ich den Neuling auf die Packungsbeilage.

Man mag ja über die Iron Lady denken was man will, aber vergessen sollte man manche Dinge nicht.

1979 wurde sie mit 43% der Wählerstimmen, bei einer bemerkenswerten Wahlbeteiligung von 76% (man denke an heutige Beteiligungen), nach dem grandiosen Scheitern der Labour-Regierung, Premierministerin. [*]

Im Gegensatz zu heutigen Meinungen war die Politik des Thatcherismus in Britannien durchaus populär, ebenso der Falklandkrieg. Zu diesem muss man bemerken, dass die Einwohner der Falklands nicht zu Argentinien gehören wollten. Sie wollen es auch heute nicht.

Im Inland schadete ihr diese Politik durchaus nicht. Sie wurde 1987 mit 42% der Stimmen, bei einer 75,33%igen Wahlbeteiligung, erneut gewählt.[*]

Nur mal nebenbei, die „Zerschlagung der Gewerkschaften“ war vor der Wahl.

Sie wurde schließlich vom Parteivorstand zurückgedrängt und nicht wieder als Kandidatin nominiert. Nicht wegen des Krieges, nicht wegen der Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung auch nicht wegen Einschnitten im Gesundheits- und Sozialwesen. Nein, es war die Kopfsteuer die die Briten hauptsächlich empörte.

Was folgte war ebenso unsäglich. Man denke an John Major und Tony Blair.

Insgesamt waren die Briten aber durchaus stolz auf die „Rückeroberung der Falklands“. Auch, das sie es „der EG gezeigt hatten“, bei der Durchsetzung des Britenrabatts bei den Beitragszahlungen. Auch der Aufstieg Londons zum führenden Finanzplatz in Europa, der sich heute als Problem herausgestellt hat, war förderlich für den Nationalstolz der Einwohner des british empire.

Am 22. November 1990 (vor ca. 23,5 Jahren) trat sie zurück und verschwand im Laufe der Zeit immer mehr von der Bildfläche.

Am 8. April starb eine alte Frau, lieber Außerirdischer. Ich mochte sie nicht, aber ihr Tod ist für mich kein Grund zum Feiern. Es gab keine Revolution, niemand wurde geköpft, kein Problem wurde gelöst und „Ding Dong the witch is dead“ wird morgen schon niemanden mehr interessieren.

Komm bald wieder. Wir Erdlinge ändern uns wahrscheinlich nicht.

[*] Nach dem britischen Wahlrecht erreichte die Konservative Partei bei beiden Wahlen somit die absolute Mehrheit im Unterhaus.

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