Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Symbole sind wichtiger als Inhalte?

Ich habe den Eindruck, dass meine Partei, ja es ist meine, gerade einen schweren Gang durchmacht. Sozusagen einen politischen Vereinnahmungsversuch.

Der Auslöser für diese Meinung sind mehrere Artikel in den letzten zwei Tagen und ein Tweet.

Die Artikel von @d1etpunk und @art1pirat möchte ich hier nennen und meinen Lesern ans Herz legen. Beide Artikel sprechen von Frust und Wut gegen diesen Versuch, jeder auf seine Art.

Den Tweet möchte ich nur beschreiben, ich denke er war nicht so gemeint obwohl ich ihn so verstanden habe. Es ging um den Umgang mit den Rechten. Nicht mit den Bürger- oder Menschenrechten, sondern die politisch auf der rechten Seite Stehenden. Meine Meinung ist: Man muss mit allen reden – ohne sich mit ihnen gemein zu machen! Der von mir verlinkte eigene Artikel beschäftigt sich mit diesem Thema. Die Antwort war ein „Basta!“ und „#keinfussbreit ist nicht verhandelbar!“.

Ich komme mal kurz auf den Auslöser der Aufregung zurück. Es ging, wie Florian beschreibt um eine Fahne. Die Fahne der Antifa. Einige Teilnehmer des Bundesparteitages wollten mehrere Flaggen aufhängen, andere keine. Und schon ging wohl auf Twitter ein Shitstorm los.

Aber Florian schreibt auch, dass es keinen offiziellen Antrag an die Versammlung zu diesem Thema gab. Man könnte also darüber hinweg gehen. Wäre da nicht der Artikel von Andreas.

An dieser Stelle möchte ich mich absolut von den Rechten (Definition oben) und allen Spielarten des Extremismus distanzieren.

Der Grund ist meine Anhängerschaft zu Demokratie, Meinungs- und Redefreiheit. Ganz im Sinne des oft misshandelten, weil auf den ersten Satz verkürzten, Zitats von Rosa Luxemburg:

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird. [1]

Ich will ja nicht behaupten oder hoffen, dass ich einen Nazi oder einen Maoisten mit diesen Worten erreichen kann. Aber vielleicht kann ich einen erreichen der noch seinen Platz sucht. Denjenigen der sich durch die Extremisten beider Seiten abgestoßen fühlt. Der sich jedoch wahrscheinlich eher denen auf der rechten Seite anschließen wird. Warum wird er dies wohl tun? Weil ihre einfachen Antworten auf seine Fragen ihm schlüssiger erscheinen.

Und was tun wir nun mit unserem „firstworld problem“ um Symbole und Flaggen?

Am Besten gehen wir mal zur echten politischen Diskussion um wirkliche Probleme über. Zum Beispiel über die Demokratie, nicht die Demokratie der Schreihälse.

Ich bin vor Kurzem nach langer Zeit des Zögerns in die Piratenpartei eingetreten. Weil diese Partei eben Demokratie, Meinungs- und Redefreiheit vertritt. Ich möchte, dass das auch so bleibt.

Bevor sich nun einige auf mich stürzen (was ich befürchte) oder mich schlichtweg alle ignorieren (was ich erwarte aber nicht begrüße) noch eine Frage an euch alle.

Wenn ihr alle Piraten seid, seid ihr euch dann wenigstens beim Thema Überwachung einig?

Absurde Frage? Nein!

Wer heute Andersdenkende aus der politischen Diskussion ausschließt, der fordert morgen deren Überwachung!

[1] Rosa Luxemburg, Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, Berlin 1920 S. 109; Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke Band 4, S. 359, Anmerkung 3 Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983( zitiert nach wikiquote)

.

P.S. Ich begrüsse ausdrücklich das öffentliche Austragen von innerparteilichen Streitigkeiten. Es wäre mir lieber, wir würden uns nicht um Symbole, Flaggen und Meinungsführerschaft streiten.

P.P.S. Wer sich von dem Artikel angesprochen fühlt, der ist selbst schuld. Ich rede hoffentlich von einzelnen.

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11 Gedanken zu „Symbole sind wichtiger als Inhalte?

  1. Chris sagte am :

    „Symbole sind wichtiger als Inhalte?“ — Ja.

  2. abrazoalbatros sagte am :

    Wieso sollen Flaggen und Symbole ein First World Problem sein?
    Wir wissen doch, was Fahnen und Symbole bedeuten.
    Wer seine Flagge hisst, der hat die Herrschaft. Wenn ein Diktator seine Flagge hisst, dann ist sie wie Geßlers Hut und wer dagegen aufsteht, der zieht mit zahllosen eigenen Flaggen in den Kampf; sie heimlich zu nähen ist wichtiger, als manch anderes. So war und ist es in Nahost und so wird es auch hier verstanden.

    Die an prominenter Stelle hängende, bei jedem Auftritt am Saalmikrophon deutlich sichtbare Antifa-Flagge (und daneben auch noch die der Anarchisten) war ein Herrschaftssymbol. Sie verkündete den Anspruch, dass hier die Antifa zu bestimmen habe, was gemeint und gesagt werden darf.

    Angesichts der üblen Erfahrungen zahlloser Piraten mit der Pirantifa – „keinfussbreit“, Du hast sie ja selbst gemacht – dem legitimen Kind der Antifa, konnte das nur zum Aufstand führen.

  3. Die Bedeutung von Flaggen und Symbolen ist mir hinlänglich bekannt. Mit „firstworld problem“ meinte ich eher spöttisch den Zusammenhang in dieser Diskussion. In einigen Tweets wurde die „Antifa Fahne“ als wichtiger erachtet als der gesamte Bundesparteitag.
    „…konnte das nur zum Aufstand führen.“ schreibst Du. Wo war/ist ein Aufstand?
    Auf Twitter?
    Ich verweise nochmal auf den Artikel von Florian. Niemand hat offiziell einen Antrag zur Fahne gestellt. Warum nicht?
    Meine Erfahrungen, ich nehme an Du beziehst dich auf den zitierten Tweet, halten mich nicht von Zusammenarbeit ab. Solange man bereit ist mit mir zusammenzuarbeiten.

    P.S. Ich habe bewusst den Link zu Deinem Blog gelöscht, nicht wundern. Da Du anonym bleiben willst als Blogger respektiere ich das. Auf meine Weise.

  4. abrazoalbatros sagte am :

    Als alter Nahostler kann ich Dir garantieren, dass Twitter viele Facetten hat.

  5. Ehrlich, was hat denn der nahe Osten mit dem Bundesparteitag der Piraten zu tun?
    Twitter ist eine Kommunikationsplattform. Die Nutzung in einer „Revolution“ wo offene Kommunikation lebensbedrohlich ist und bei einer Versammlung in der man Anträge einreichen kann sind wohl eher nicht vergleichbar.

  6. „Wer heute Andersdenkende aus der politischen Diskussion ausschließt, der fordert morgen deren Überwachung!“

    Oder blockt sie auf Twitter … siehe @blockempfehlung … Anderes trauriges Kapitel der „Freiheitspartei“ Piraten …

  7. @blogempfehlung ist kein offizieller Kanal der Piratenpartei.
    Twitter ist nicht unbedingt politische „Diskussion“. 🙂

  8. Fahnen und Flaggen und die Blogeinträge sind auch kein „offizieller Kanal der Piratenpartei“. So what?

  9. Wer hat behauptet, dass sie das wären? So what?

  10. Merkst du, dass ich deine Antwort auch auf deine erste Antwort schreiben könnte?

    Das führt zu nix.

  11. Klang mir so, als ob das der Kontext Deiner ersten Aussage war. Hab mich wohl geirrt.

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