Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Ich distanziere mich nicht – ich bin schließlich Pirat!

Ich wollte nicht über die Vorgänge in den letzten Tagen schreiben, schon gar nicht Öl in das Feuer gießen – aber ich muss mich mal nicht distanzieren. Schon gar nicht von meiner Meinung.

Kurzfassung des Geschehenen: Zwei junge Frauen präsentierten ihre Brüste mit einem Slogan.

Das war ihre Entscheidung, mit den Folgen müssen sie also m.E. nach umgehen können. Allerdings ist zumindest eine Mitglied der gleichen Partei der ich auch angehöre. Somit wurde dieser Akt der Selbstdarstellung zum Politikum.

Egal, interessiert mich nicht wirklich.

Wichtiger für mich war die nachfolgende Diskussion und ihre Un-Kultur über den 2. Weltkrieg, den Nationalsozialismus und natürlich den Bombenangriff auf Dresden.

Dabei fiel von einem, mir wirklich sympathischen wichtigen, Piraten das Wort „Opferrolle“ in Bezug auf die deutschen Toten des 2. WK, wieder besonders die Bombentoten von Dresden. Diese sei „angemaßt“.

Mein Statement dazu:

1. Die Bombentoten in Dresden, die Nichtkombattanten, sind Opfer!

Sie sind Opfer des 2. Weltkrieges, der von den Nationalsozialisten begonnen wurde.

Sie sind Opfer des Nationalsozialismus.

2. Der Bombenangriff auf Dresden war ein Akt des Terrors!

Terror in der Wortbedeutung „Schrecken“. Er sollte kein militärisch wichtiges Ziel zerstören – er sollte bewusst Schrecken verbreiten. Die Moral der Bevölkerung und der kämpfenden Truppen sollte erschüttert werden. Dieser Angriff gehörte, so absurd das klingt, zur psychologischen Kriegsführung. Da braucht man keine nicht produzierten Gewehre für den Volkssturm zu zählen. Diese waren nicht das Ziel. Ich spekuliere hier nicht über Kriegsverbrechen. Das Ziel dieses Angriffs bestreiten nicht einmal die britischen und amerikanischen Zeitzeugen.

3. Harris, genannt Bomber-Harris, war wahrscheinlich ein (sorry) rassistisches A…loch. Das geht aus seiner kolonialen Vergangenheit und einigen dokumentierten Äußerungen für mich eindeutig hervor. Also „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ – ohne mich. Zu bedenken ist hier auch, dass wenn die Alliierten den Krieg gegen Nazi-Deutschland generell auf diese Art geführt hätten, die Protagonisten der Aktion nicht da wären um Harris zu danken.

Eines der meist gebrauchten Worte in dieser Diskussion (eher ein Akt der gegenseitigen Beschimpfung) war der unsägliche Begriff Geschichts-Relativismus.

Die Toten von Dresden als Opfer zu bezeichnen ist kein Geschichts-Relativismus. Der Kontext in dem man sie als Opfer bezeichnet ist wichtig (s.o.).

Hier haben beide Seiten versagt. Die einen bezeichnen sie als Opfer der Briten, die anderen sprechen ihnen den Opferstatus ab.

Diese Diskussion ist absurd.

Viel wichtiger ist es die Schreihälse, egal auf welcher Seite sie stehen, aufzufordern mal zu artikulieren wofür sie eigentlich stehen.

Ich habe diese anti-Statements so was von satt!

Vielleicht sollte ich mal genauer beschreiben was ich meine.

Ich bin für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und immer für die freie Meinungsäußerung.

Daraus resultiert, dass ich gegen alle bin, die mir und allen anderen dies verwehren wollen.

Dazu gehören Nazis und alle anderen die dies tun. Dazu gehören besonders die, die sich jetzt mit Mordaufforderungen an den o.g. jungen Frauen im Internet breit machen. Davon distanziere ich mich nicht – das verurteile ich!

Ich identifiziere mich nicht über Gegnerschaften – ich identifiziere mich über Ziele.

Eines tröstet mich. Ich bin nicht der einzige.

Vielleicht werden ja noch einige „Antis“ morgen dazu gehören. Wenn sie dann mal sagen wofür sie sind.

.

P.S. Ich werde also heute einfach weiter machen mit dem technokratischen Thema Verkehrspolitik und ÖPNV. Ist mir wichtiger als Gezeter.

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10 Gedanken zu „Ich distanziere mich nicht – ich bin schließlich Pirat!

  1. abrazoalbatros sagte am :

    Opfer des Nationalsozialismus waren die Toten nicht.
    Denn es ist nun einmal so: jedes Volk haftet für die Taten seiner Regierung.
    Es gibt keine Kollektivschuld. Aber Kollektivhaftung.

  2. Doch, sie waren es.
    Der Agressor nimmt die Opfer seiner Bevölkerung billigend in Kauf. Egal ob sie der Agression zustimmen oder nicht. Wenn man also von Opfern oder Kriegsopfern spricht, dann sind es die Opfer des Agressors – egal auf welcher Seite sie standen, oder welchem Volk sie angehörten.

  3. abrazoalbatros sagte am :

    Das sehe ich anders aufgrund andersartigen persönlichen Hintergrundes, den Du hier findest:
    [Link gelöscht]
    Es war schon vor der Machtergreifung klar, dass die Nazis rechtlose Barbaren sind.
    Wenn die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen nicht bereit war, ihre Verantwortung für ihren Staat und ihre Gesellschaft zu übernehmen und lieber (genau das halte ich für den politisch schädlichsten Charakterzug) biedermeierlich in ihrer privaten Filterbubble blieb nach dem Motto, was geht mich das an, dann müssen sie auch für die Folgen haften, die Leute anrichteten, mit denen sie vielleicht mehrheitlich nicht übereinstimmten, denen sie aber freie Hand ließen.
    Die Kristallnacht steht als Symbol. Das damalige Handeln war rechtswidrig. Doch Behörden und Justiz scherten sich nicht darum.
    Es gab keinen Aufschrei innerhalb der Nation.
    Sie haben die Nazis machen lassen.
    Damit haften die Deutschen, auch mit ihren Kriegstoten.
    Was die Bombardierung der Dresdner Innenstadt freilich nicht legitimiert.

  4. Anmerkung: Ich habe die Verlinkung gelöscht, weil „abrazoalbatros“ anonym blogt. Wie bereits beim letzten Mal geschrieben verlinke ich nur auf Blogs deren Autoren öffentlich auftreten. Trotzdem antworte ich.
    Es ist aus der Sicht der Nachgeborenen immer einfach über die Historie zu reden. Ob nun die Bevölkerung bei der Wahl über die wirklichen Pläne der NSDAP-Führung Bescheid wusste, wage ich zu bezweifeln.
    Aber auch hier ist die „Schuldfrage“ nicht so einfach.
    Wie heute steht nicht nur die Frage was die Nazis gemacht haben, es steht auch gerade bei dieser Wahl die Frage was die anderen (Kommunisten und Sozialdemokraten im Besonderen) falsch gemacht haben.
    Ich habe auch einen „persönlichen Hintergrund“ diese Zeit betreffend.

  5. Vorab: Wie die allermeisten, bin auch ich dankbar, dass die Allierten Nazideutschland besiegt haben.
    Sich am Tag des Gedenken der Opfer des Bombenangriffs bei dem zu bedanken, der den Bombenangriff befahl, fände ich für eine Privatperson schon ziemlich bedenklich. Nicht danke, Allierte, nicht danke Churchill, nicht danke für die Befreiung, sondern danke für diese eine Bombadierung. Für die Dresdener: Danke, dass meine Oma, meine Mutter getötet wurde.

    Man kann das auf viele Arten auslegen, eine wäre, dass Gewalt gegen die Zivilbevölkerung legitimiert wird. Wäre es aus Annes Sicht ok gewese, eine Atombombe auf sagen wir, Kigali zu schmeissen wenn danach der weitere Krieg zwischen Hutus und Tutsis gestoppt worden wäre?
    Ja, sie wollte sich gegen Nazis positionieren. Damit kann ich gut leben. Aber dass sie dies zum einen maximal eskalierend tat, zum anderen den Nazis damit sogar noch mehr Zulauf besorgt hat und schliesslich den Piraten massiv geschadet hat…

    Hier reden wir über jemanden, der die Piratenpartei prominent vertritt. Sie sollte sich im Klaren sein, was ihre Äusserungen für Konsequenzen haben können.
    Die Austrittswelle die Aktion zusammen mit der Nichtreaktion des BuVos war schlicht war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

  6. Ich sehe das auch so. Als „Person des öffentlichen Lebens“, die Anne spätestens seit ihrer Aufstellung ist, hatte sie eine „Folgeabschätzung“für ihre Aktion machen müssen. Nichtsdetsotrotz, es geht weiter. Allerdings nur so lange bis die „nächste Sau durchs Dorf getrieben wird“. Auf piratisch bs zum nächsten #gate. Also vorher nachdenken. Über das was man tut und vorallem über die Art damit umzugehen.

  7. ehrt dich zwar, aber imho müsst ihr endlich mal für die öffentlichkeit, aber gerade auch intern klarmachen, wofür ihr steht. das weiss nämlich keiner mehr. Nach aussen wirkt ihr wie ein sammelsurium von extremen positionen. Die Vorherrschaft in meiner wahrnehmung habe da gerade die extrem linken und die extremfeministischen (letzteres aber sicherlich nur, weil ich mich gerade mit dem feminismus beschäftige, das ist sicherlich nicht das bild der mehrheit).
    da hab ich vor ein paar tagen was zu geschrieben

  8. Ich spreche hier natürlich für mich – alles andre wäre Anmaßung. In meinem letzten Artikel https://blogvonthomas.wordpress.com/2014/02/27/piraten-am-gangelband-der-medien/ habe ich, wie schon vorher, darüber geschrieben.
    Intern kann ich dafür einstehen, diskutieren und hoffen (nicht grundlos), dass die „originären Inhalte“ der Piraten wieder in den Vordergrund gerückt werden.

  9. Ich drück euch die Daumen!

  10. Danke. 🙂

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