Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Archiv für die Kategorie “Allgemein”

Hier endet mein Blog

bei wordpress.com, aber es geht weiter.

Aber keine verfrühte Freude 🙂 – es geht weiter.

Die weiteren Artikel erscheinen in meinem selbst gehosteten Blog, selbstverständlich im alten Gewand.

Die alten Artikel habe ich dorthin übernommen – die Kommentarfunktion ist hier ab heute geschlossen.

Also – wer Lust hat kommt mit nach „drüben“.

 

PolGef-Wahl

Einleitend gesagt, es war eine Christopher Lauer Show. Gut, dass er nicht als letzter Kandidat dran kam, so können einige nochmal nachdenken bevor sie an die Urne gehen.

Weiter geht es hier: http://tom-coal.com/?p=1493

Missachtet, verrufen und verkannt – arbeiten im Callcenter

portrait-newxIch arbeite seit fast drei Jahren im Callcenter. Da hingekommen bin ich, wie die meisten der dort beschäftigten in meiner Altersklasse: Gute Ausbildung in Berufen, die nicht mehr gebraucht werden, Krankheit, Langzeitarbeitslosigkeit und Ähnliches waren für viele die Gründe. Ein Traumberuf war es wohl für kaum jemanden.

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Bin ich froh, dass ich nicht wieder nur in einem Callcenter gelandet bin!

Das sagte letztens ein Kunde nachdem sein Internet plötzlich und unverhofft wieder funktionierte. Er war meinen Anweisungen einfach gefolgt – siehe da, alles wieder in Ordnung.

Ich habe darauf verzichtet ihn aufzuklären.

Da er nicht mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Unternehmens, sprich seines Telekommunikationsanbieters, gesprochen hatte besteht doch eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass es eben ein Callcenter war.

Warum hielt dieser Kunde also ein Callcenter für etwas von minderer Qualität.

Der Begriff allein kann es nicht sein, der steht ja einfach für Telefon-Beratungszentrum und als customer-care-center, also in Verbindung mit dem Begriff Kunde (customer), für Kundenberatungszentrum. Ob das Callcenter nun beim Unternehmen in dessen Namen es agiert angesiedelt ist oder ob es an einen externen Dienstleister ausgelagert ist darüber sagt der Begriff nichts aus.

Was meinen also die Leute eigentlich wenn sie über Callcenter sprechen?

Sie meinen nicht ein Callcenter, sie meinen eigentlich einen Auftraggeber. Absurd? Nein, ein externer Dienstleister, bevorzugt einer im Bereich Tele Sales Outbound – zu Deutsch, einer der sie anruft um ihnen etwas zu verkaufen, etwas was sie nicht brauchen, verbunden mit einem Knebelvertrag, überteuert, ohne Nennung der Vertragsbedingungen und der Anruf kommt noch ohne Anforderung – tut dies nicht weil er es will. Er tut dies im Auftrag eines Herstellers, Händlers oder Betreibers. Auch das Verstecken von Rufnummern des technischen Service hinter Rufnummern die zum Verkauf führen macht der Auftraggeber.

Gemeint sind also die schwarzen Schafe der Branche.

Wer mich kennt der weiß, dass ich in einem Callcenter arbeite und zwar als Call Center Agent oder auch Kundenberater. Allerdings bezeichne ich mich selbst nicht so, ich mache telefonischen Support für ein Telekommunikationsunternehmen. Ein ziemlich großes übrigens. Mein Arbeitgeber (nein, der weiß nichts von diesem Artikel) ist ein privates Unternehmen welches im Auftrag dieses TK-Unternehmens tätig ist.

Ich habe einen 8 Stunden Vertrag und arbeite im Schichtbetrieb. Das Unternehmen arbeitet 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr zwischen 06.30 und 24.00 Uhr. Für meine Arbeit bekomme ich den von der SPD angestrebten Mindestlohn.

Entgegen der landläufigen Meinung wurde ich, wie auch meine KollegInnen, im Unternehmen für diese Arbeit ausgebildet. Natürlich ist learning by doing immer der größte Teil der Ausbildung. Das heißt nach der betrieblichen Ausbildung beginnt eine lebenslange Lernphase. Aber ehrlich wo ist das schon anders. Ich arbeite also bei einem Dienstleister, aber ich arbeite für den Auftraggeber.

Es gibt vielleicht einige unter euch die schon mal mit mir gesprochen haben. Ihr habt angerufen weil ihr Probleme mit Telefon, Internet oder Fernsehen habt und ich habe mein Bestes gegeben um euch zu helfen. Zur Anmerkung, meine persönliche Erfolgsquote, das heißt euer Problem wurde im Erstkontakt gelöst, liegt bei über 50%. Viele der  anderen Probleme hätte ich gern auch gelöst, aber es ging einfach nicht sofort. Ich kann ja nicht eine Telefonleitung flicken die 400 km von mir entfernt unter der Erde liegt. Der Mitarbeiter der mit Tarifvertrag beim Auftraggeber fest angestellt ist kann das auch nicht.

Komisch, wenn man den Begriff gebrauchen darf, ist nur Eines. Eben die Kunden, deren Probleme ich nicht lösen kann, fragen an irgendeiner Stelle des Gesprächs ob ich in einem Callcenter arbeite. Die anderen nicht.

Hier kommt nun der oben genannte Irrtum ins Spiel. Wer mich bezahlt ist doch egal. Wichtig sind mein Ausbildungsstand und die technische Ausstattung – für die ist mein Arbeitgeber zuständig und meine Motivation – für die bin ich zuständig.

Hier ärgert mich die oben beschriebene Pauschalisierung der Branche.

Wißt ihr warum?

Sie verhindert, dass mehr gut ausgebildete und motivierte Menschen dort arbeiten.

Sie demotiviert sogar den Mitarbeiter in der Arbeitsagentur. Er pauschalisiert und fragt den Arbeitssuchenden „Callcenter??? Wollen Sie sich das wirklich antun?“

Sie senkt die Qualität unserer Arbeit.

Und das werdet ihr merken, an Warteschleifen und an gestressten Mitarbeitern.

Ein bisschen mehr Respekt vor meiner Arbeit, für die meiner KolegInnen natürlich auch, wäre angebracht.

Wenn ihr uns nicht braucht, warum ruft ihr uns dann kurz vor Mitternacht an?

Vielleicht liest der Kunde den ich eingangs erwähnte diesen Beitrag. Es würde mich freuen wenn er mal darüber nachdenkt.

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P.S. Der Artikel soll nicht die Callcenter Branche in den Himmel heben. Ich weiß um die Probleme. Er soll zum Nachdenken über diese Branche animieren. Das Verhältnis Kunde – Callcenter Agent habe ich hier schon einmal beschrieben.

Wählen gehen, oder nicht?

Die hier gezeigten Plakate sollen nicht unbedingt eine Werbung für die Piraten sein, sie sollen eher dazu anregen über die gestellte Frage nachzudenken.

mecker

Ich gebe ja zu, dass es mir zur Zeit so erscheint als wäre es sicher, dass Merkel die Wahl wieder gewinnt. Warum ist es dann so wichtig zu wählen?

Sehen wir doch mal auf die heutigen Probleme. Euro-Schuldenkrise, Hartz IV, Syrien, PRISM & Co. usw.

Jetzt schauen wir nach Großbritannien, dort hat das Unterhaus dem Premier seine Cojones gezeigt, inclusive der dort vertretenen Frauen (Wortspiel ist hier nicht sexistisch).

waehlen-gehen

Da haben wir die Antwort.

Es ist wichtig weil wir über die Zusammensetzung unseres Parlaments bestimmen.

Unser Parlament ist die einzige Instanz die in der parlamentarischen Demokratie Entscheidungen der Regierung blockieren kann.

Es ist die Instanz die uns Rechenschaft ablegt, durch die Abgeordneten der Territorien.

Die können wir auch nach der Wahl beeinflussen. Wir müssen es nur tun.

Wir brauchen zumindest eine starke Opposition, wenn schon nicht eine neue Regierung. Damit meine ich nicht eine Partei sondern Vielfalt.

Also geht wählen!

It’s the Democracy stupid!

Bildquelle: Piratenpartei

PRISM – das Bewegungsprofil

Zuerst einmal, ich habe keine Angst vor PRISM. Klingt absurd aber wer mich kennt, der weiß womit ich mich beschäftige. Somit hätten die Computer und Analysten der NSA ihren Spaß mit mir. Im Telefonspeicher Nummern von Ex-Stasi-Mitarbeitern und Opfern, von arabischen, jüdischen, russischen und anderen Bekannten. E-Mail-Adressen von Organisationen (Täter und Opfer), BND, NSA, CIA, FSB usw.

Wie schon im letzten Artikel zum Thema beschrieben, sollte ich somit ja unverdächtig sein.

Aber gerade der letzte Artikel hatte eine gewisse Resonanz. Weil er sich mit dem Unschuldigen und Unverdächtigen beschäftigte, der dennoch ins Fadenkreuz geraten könnte. Mit dem, der sich vermeintlich um PRISM keine Gedanken machen muss und deshalb nicht aktiv wird.

Eine kleine Vorbemerkung noch. Der ständige Vergleich mit der Stasi trifft es nicht. Auf Grund der mangelnden technologischen Ausstattung (die entsprechende gab es da noch nicht) saßen an meinen Daten menschliche Analysten. Die waren vielleicht ideologisch indoktriniert, aber entgegen den Gerüchten nicht dumm. Sie hätten bestimmte Merkmale evt. schneller interpretieren können als ein Computer. Ein Vergleich, der nicht gezogen wird, ist aber zulässig. Daten die einmal gespeichert wurden blieben im Speicher. Heute wird aber bestritten, dass es immer noch so ist.

Nun aber zum in der Überschrift erwähnten Bewegungsprofil.

Vielleicht macht es einen nicht verdächtig, aber ich habe seit 18 Jahren die gleiche Mobilfunknummer beim selben Provider. Mit diesem Mobilelefon „bewaffnet“ war ich 10 Jahre in Bremen für den ADAC unterwegs. Privat natürlich auch.

Was habe ich da für Leute kennengelernt. Unter anderem Kriminelle, religiöse Fanatiker (zumindest nach ihren Äußerungen), Linke, Rechte – das ganze Spektrum eben. Meine privaten Kontakte entwickelten sich genauso vielschichtig. Als ich 2008 wieder nach Leipzig zog, ging das weiter. Telefonische und E-Mail-Kontakte zu den Bremer Bekannten, neue Kontakte hier und dann der Beginn meiner Forschungsarbeit.

Jetzt lasse einer hier Bewegungsprofile beliebiger krimineller oder unter Terrorverdacht stehender Gruppen erstellen. Diesmal aber nicht durch einen menschlichen Analysten sondern durch einen „seelenlosen“ Computer.

Mag sein, dass ich plötzlich in vielen Profilen auftauche. Natürlich Herr BIM, die Daten sind „entpersonalisiert“, aber genauso schnell lassen sie sich wieder personalisieren. Da stehe ich dann da mit meinen „Verbindungen“.

Da diese vielleicht mehrere Gruppen betreffen, könnte es ein ziemlich schlimmer Verdacht werden. Hoffen könnte ich dann nur auf einen einigermaßen ausgeschlafenen (hier wörtlich, in der Form von nicht übermüdet) menschlichen Analysten. Der könnte dann feststellen, dass der größte Teil der „Verbindungen“ auf meine Arbeit zurückgeht und nicht von mir initiiert wurde.

Aber was geht Euch meine Geschichte an?

Denken wir mal an den Pizzaboten, die mobile Altenpflegerin, den Taxifahrer und Andere.

Natürlich, am Ende wird sich das Alles im Einzelfalle aufklären lassen.

Aber glaubt Ihr wirklich, dass der maschinell begründete Verdacht gelöscht wird?

Glaubt Ihr, dass der „Verdächtige“ im Computersystem rehabilitiert wird?

Dass er beim nächsten Mal automatisch unverdächtig ist?

Ich glaube auch, dass Elvis lebt!

Manchmal, aber nur manchmal …

… sind negative Ereignisse im Leben, ein Anstoß in die richtige Richtung.

Ehrlich, die letzten eineinhalb Jahre war ich mit meinem Job nicht wirklich glücklich. Stets etwas verkaufen was die Leute nicht wirklich wollen und brauchen, für einen Kundendienstmann ist das belastend. Aber wer braucht schon Leute, die sich für die Wehwehchen der Kunden wirklich einsetzen? Na gut, es gibt da Initiativen und Vereine, aber leben muss man ja auch von Irgendetwas.

Heute vor acht Wochen war ich also auf Arbeit, der Arbeitstag sollte bis 16.00 Uhr gehen. Gegen 15.15 Uhr tauchten meine kleinen Chefs nacheinander hektisch an meinem Platz auf, aber ich war gerade im Kundengespräch. Endlich, gegen 15.45 Uhr, war dieses erfolgreich (!) beendet, da kam der mittelgroße Chef und forderte mich auf mitzukommen. Ein kurzes Gespräch „Du bist gut für das Team…“, „…aber nicht verkaufsorientiert genug…“ und „ …die allgemeine wirtschaftliche Lage…“, „…14 Tage bis zum Ende der Probezeit…“ und „…mir persönlich fällt es schwer…“, ein Zettel mit der Kündigung incl. 14 Tagen Freistellung bei vollem Lohnausgleich, natürlich unter Anrechnung des anteiligen Urlaubs.

Unter Aufsicht (!) durfte ich meinen Arbeitsplatz räumen, Schlüssel und Ausweis abgeben und wurde zum Ausgang geleitet. Nicht, dass Ihr mich falsch versteht, dieses Procedere mit dem „unter Aufsicht“ ist hier nicht verwerflich. Ich sage nur Datenschutz.

16.15 Uhr war ich raus – im wahrsten Sinne des Wortes.

Sechsundfünfzig Jahre alt, einen Gesellenbrief (Facharbeiterzeugnis) für einen Beruf dem man gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben kann, ein Diplom für Maschinenbau, welches keiner mehr akzeptiert und Berufserfahrungen die zwar für Smalltalk taugen, aber im Einstellungsgespräch eher hinderlich sind. Habt Ihr schon mal mit einem Personaler gesprochen und ihm gesagt, dass Ihr schon Einstellungsgespräche geführt habt als er noch in den Windeln lag? Ist lustig aber nicht zielführend.

Also zuerst brauchte ich einen Plan.

Das Schwerste war die Mitteilung an die Familie. Zur Erläuterung, ich war 3 Jahre krank und zeitweilig arbeitslos, was natürlich negativ für die Frage ALG ist. Dann 1 Jahr in einer Firma und nach diesem der Wechsel in eine (vermeintlich) bessere Firma. Aber das war ja nun Geschichte.

Am Abend meldete ich mich online arbeitssuchend und schrieb die ersten zehn Bewerbungen. Am Mittwochmorgen dann der obligatorische Besuch bei der Agentur für Arbeit. An der Schlange für ALG II vorbei, 20 min. Wartezeit, kurzes Gespräch und Empfang der Unterlagen für sämtliche Anträge, nochmals 15 min. Wartezeit und ein erstes Gespräch mit der Arbeitsvermittlerin. Sehr nett die Dame, sie machte sogar einen kompetenten Eindruck. Wir trennten uns auch freundlich mit der Absicht uns sobald nicht wiederzusehen.

Zu Hause dann die nächsten 12 Bewerbungen geschrieben und einige Telefonate geführt. Am Donnerstag hatte ich das erste Vorstellungsgespräch, vereinbarte noch drei Termine für weitere Gespräche und schrieb die dreiundzwanzigste Bewerbung. Nebenbei meldete ich mich noch auf diversen Jobbörsen an.

Ein Bewerbungsgespräch am Freitag endete damit, dass ich am ersten Tag meiner Arbeitslosigkeit einen neuen Job haben könnte, wenn denn der Niederlassungsleiter der Firma zustimmen würde. Man werde mich wieder anrufen.

Dies geschah auch am Montag, nach weiteren drei Bewerbungsgesprächen, mit Terminvereinbarung am Mittwoch. Natürlich hatte ich meine Pflichten gegenüber der Agentur nicht vernachlässigt und die ersten Anträge bereits abgegeben.

Am Mittwoch dann das Gespräch mit dem neuen Chef. Auf 15 min. angesetzt, dauerte es eine Stunde und endete mit der Einstellung in der Firma in der ich heute arbeite.

Kein Verkauf, nein technischer Support. Das was ich eigentlich machen wollte. Keine Provision sondern Festgehalt.

Sechs Wochen später, nach drei Wochen Theorie und drei Wochen praktischem Lehrgang bin ich nun wieder „am Band“ und zumindest mit der Arbeit zufrieden.

Jetzt muss ich allerdings wieder sechs Monate Probezeit absolvieren. Man hört voneinander falls es nicht klappt.

Wie gesagt, manchmal …

Homosexualität ist nicht heilbar,

aber sie ist behandelbar! – Ein fiktives Gespräch

Wie immer verweise ich hier im medizinisch-psychologischen Blog auf die Packungsbeilage, weiterhelfen kann ich Ihnen leider nicht.

Die folgende Frage wird mir immer wieder gestellt.

Ist Homosexualität eine ansteckende Krankheit und ist sie heilbar?

Keine Angst, sie ist nicht ansteckend. Ihr könnt also ruhig mit Menschen Umgang pflegen, die homosexuell sind. Das hat fast keine Folgen für Euch.

Fast keine Folgen? Da muss doch etwas sein, sonst hättest Du nicht fast keine gesagt.

Ja, es gibt Folgen, vor allem Spätfolgen. Eine dieser Spätfolgen ist die Erkenntnis, dass die Betreffenden (wir wollen ja nicht von Betroffenen sprechen) Menschen wie Du und Ich sind.

Aber Du sprachst hier von Behandlung, was ist damit?

Die Behandlung kann und muss natürlich erfolgen. Es handelt sich hier aber um die Behandlung eines einzelnen Symptomes. Dies tritt allerdings weniger bei den Betreffenden oder bei denjenigen, die mit ihnen Umgang pflegen auf. Das Symptom tritt auf bei den Verweigerern. Bei den Voreingenommenen.

Das Symptom hat sogar einen wissenschaftlichen Namen und seine Behandlung ist einfach, aber durchaus kompliziert.

Der Name des Symptoms ist Homophobie, die Therapie nennt sich Bildung.

Bezüge zu Artikeln über Kirchen, Sekten und auch Einzelpersonen sind natürlich völlig zufällig. Gleiches gilt für einzelne (nichtöffentliche) Reaktionen auf meinen Beitrag vom 21. Februar.

Willkommen in der Moderne

Respekt Bruder Benedikt, wirklich ich bewundere diesen Papst. Nicht für sein Pontifikat, da kann man geteilter Meinung sein. Nein es geht schlicht und ergreifend um die Ankündigung seines Rücktritts.

Aller Häme und allem Spott zum Trotz, weiß ich diesen zu würdigen. Obwohl ich  kein Katholik bin.

Man überlege sich doch mal, der Rücktritt eines Papstes ist nach kanonischem Recht nicht ausgeschlossen. Es gibt aber keine Präzedenzfälle. Sieht man ab von Cölestin V, immerhin im 13. Jahrhundert, sind die Päpste seitdem in ihren Würden verstorben.

Somit stellt sich der katholischen Kirche nun eine Aufgabe. Die Wahl eines neuen Papstes ist das geringste Problem.

Was wird aber mit dem Vorgänger?

Welchen Status hat ein ehemaliger „Stellvertreter Christi“ auf Erden?

Was, wenn er die Lehren seines Nachfolgers kritisiert? Er war ja auch mal unfehlbar.

Dem Vatikan stellt sich nun erstmals ein Problem, welches Diktatoren aller Coleur gern verdrängen.

Wie geht man damit um?

Zumal die Gläubigen, die Ungläubigen natürlich auch, im Gegensatz zum letzten ehemaligen Papst, erfahren werden was mit ihm wird.

Man kann ihn nicht einfach wegsperren oder einfach zum Schweigen bringen.

Deshalb „Willkommen in der modernen Welt!“

Hier ist das üblich.

Amerika wählt

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage. Ich kann Ihnen auch nicht helfen.

Jakob Augstein schreibt über Amerika wie folgt:

Der Untergang des amerikanischen Imperiums hat begonnen. Es kann sein, dass ihn die Amerikaner trotz aller Mühe nicht aufhalten können. Aber sie versuchen es nicht einmal.

Irgendwie erinnert mich das an den alten DDR Witz, wo der Professor vom „sterbenden und faulenden Kapitalismus“ spricht. Ein Student murmelt vor sich hin „Ein schöner Tod“.

Mal ehrlich, was sagt uns Augstein in seinem Artikel Neues?

Der letzte Europäer, der die amerikanische Demokratie untersucht und (fast) uneingeschränkt bejahte war wohl Alexis de Tocqueville in „Über die Demokratie in Amerika“. Allerdings sah er diese Demokratie im Vergleich mit den Monarchien in Europa. Nicht zu vergessen, das war 1835.

Geht man mal nicht so weit zurück, so finden sich doch meist kritische Töne. So schreibt der, auch nach Augsteins Meinung nach, bedeutende Reporter Egon Erwin Kisch durchaus kritisch über diese in „Paradies Amerika“.

So schreibt er in diesem Buch, im Kapitel „Vorabend, Nacht und Tag der Präsidentenwahl“ (warum schreibe ich heute wohl darüber?):

Was ist geschehen?

Der Kandidat der republikanischen Partei hat gegen den Kandidaten der demokratischen Partei gesiegt. Nun ist aber die demokratische Partei durchaus demokratisch, und die republikanische Partei würde es sich sehr verbitten, für weniger demokratisch angesehen zu werden als die demokratische. Der genetische Unterschied, daß die Demokraten einmal die Vertretung der Plantagenbesitzer in den Südstaaten und des Kleinbürgertums in den Städten waren, tritt ebensowenig in Erscheinung wie der politisch-historische Unterschied, daß die Republikaner seinerzeit den Hochschutzzoll bekämpften.“ [Egon Erwin Kisch; Paradies Amerika; Aufbau Verlag Berlin 1948; S 22]

Schaut man also weiter, in Richtung Gegenwart, so findet sich außerhalb des Hollywood-Amerikas, das Amerika eines Upton  Sinclair und anderer Schriftsteller bis heute. Dies ist nun eben das Amerika, welches Augstein so beschreibt:

Die amerikanische Armee entwickelt eine Waffe, mit der innerhalb einer Stunde jeder Punkt der Welt erreicht – und zerstört – werden kann. Gleichzeitig hängen in Brooklyn, Queens und New Jersey die Stromkabel an Holzpfeilern über der Straße.

Was hat sich also geändert? Eigentlich nichts.

Besonders schön (wenn schön hier angebracht ist) finde ich die Version des Wahlverhaltens der US-Amerikaner die Tom Clancy in „Executive Orders“ (dt. Befehl von Oben) schildert:

„Beginnen wir: Rund vierzig Prozent der Leute wählen demokratisch, rund vierzig Prozent wählen republikanisch. Von diesen achtzig Prozent würde kaum einer sein Wahlverhalten ändern, wenn Adolf Hitler gegen Abe Lincoln antreten würde – okay?“

„Aber wieso –„

Verzweiflung: „Warum ist der Himmel blau, Jack? Es ist eben so, okay? Selbst wenn Sie´s erklären könnten, und Astronomen können das wohl auch, der Himmel ist blau, also akzeptieren wir die Tatsache einfach, okay? Damit bleiben also zwanzig Prozent der Leute übrig, die mal so und mal so wählen. Die zwanzig Prozent kontrollieren die Geschicke des Landes, und wenn Sie wollen, daß alles so läuft, wie sie möchten, sind das die Leute, die Sie erreichen müssen. So, und jetzt kommt der lustige Teil. Die zwanzig Prozent kümmert es kaum, was sie denken.“

[…]

„Die harten achtzig Prozent kümmert Ihr Charakter ´n Dreck. Die wählen eine Partei, weil sie deren Philosophie glauben – oder Mom ´n Dad immer so wählten; der Grund zählt nicht. Egal. Kommen wir zu den wichtigen zwanzig Prozent zurück. Die kümmert das, was Sie glauben, weniger als Ihre Person. …“ [Tom Clancy; Befehl von Oben, Hoffmann und Campe 1997; S. 351]

Da liegt wohl auch für diese (heutige) Wahl der Knackpunkt. Wer kommt in Amerika besser an beim Wähler? Nicht etwa, wer hat das bessere Programm?

Warten wir den morgigen Tag ab.

Aber meiner Meinung nach, somit zum Artikel von Augstein zurück, ist das Amerika dessen Veränderung er so schildert:

Und tatsächlich: die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand.

sozusagen das westliche Amerika, eine europäische Fiktion. Es ist wohl eher der Traum, der die USA nach wie vor zum Einwanderungsland macht – es ist das Hochglanz-Amerika.

Wahrscheinlich gab es dieses Amerika noch nie.

P.S. Ich schreibe hier gewohnheitsmäßig meist Amerika statt USA. Der Fehler ist mir bewusst, aber ich bleibe dabei – schreibt sich schöner.

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