Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Archiv für das Schlagwort “Diskussion”

Ein Plädoyer für nachhaltige Vielfalt,

 könnte ich diesen Artikel, in Anlehnung an die Artikel von Dirk und Wilm nennen. 🙂

Weiter geht es hier: http://tom-coal.com/?p=1480

 

Mir fehlt die Zeit und die Lust,

mich über alles aufzuregen was in der letzten Zeit so passiert ist.
Ob nun das „Schwarzer-Geld“ von Alice, die nackten Jungs von Edathy, das #Bombergate, die „Causa Schweiz“, der Friedrich-Rücktritt und was sonst so alles noch geschehen ist.
Obwohl, der Friedrich wird mir schon fehlen. Er war so eine gute Projektionsfläche für vieles was mir widerstrebt. Aber da kommt schon jemand anderes nach – ich bin mir sicher.
Was mich allerding absolut stört das ist die exzessive Beschäftigung mit diesen Themen die von den anstehenden Aufgaben ablenkt.
Was steht an?
Es stehen an Kommunal- und Europawahlen. Da gibt es einiges was wichtig ist.
Beim Kreisparteitag und der Aufstellungsversammlung der Piraten in Leipzig konnte ich leider (ja, ja die Arbeit) nicht dabei sein, aber es wurde eine tolle Crew aufgestellt. Ebenso wie bereits vorher für die Europawahl.
Was beschäftigt mich also jetzt?
Die Angst beschäftigt mich. Nicht, dass ich Angst hätte – nein es geht um die Angst als Propagandainstrument. Was stellen wir ihr entgegen?
Man kann jedes Thema der bevorstehenden Wahlkämpfe nehmen, es wird immer mit Angst behaftet sein. Ob es nun um „Arbeitnehmer-Freizügigkeit“ (was für ein Begriff), um den Bau einer Moschee, um Aufnahmeeinrichtungen für Bürgerkriegsflüchtlinge oder irgendein anderes Thema geht, die Argumentation der Gegner ist immer „Das ist gefährlich für euch und eure Lebensweise – Ihr müsst Angst davor haben!“.
Das Problem ist nun, wie reagiert man auf diese Argumentation?
Auf einen Slogan „Kinder statt Inder“ (ihr erinnert euch?) mit einem 20seitigen Positionspapier zu antworten oder Hohn und Spott auf Twitter auszuschütten bringt da nichts. Das ganze „digitale Zeugs“ ist da nicht hilfreich. Hier muss man in die analoge Welt abtauchen und mit jedem oder jeder einzelnen diskutieren. Ohne sofort den/die andere/n abzulehnen weil diese/r eine andere Meinung in die Diskussion einbringt.
Angst lässt sich mit kurzen und griffigen Slogans wecken, der Kampf gegen die Angst bedarf der Argumentation.
Das ist langwierig, manchmal möchte man mit der Faust reinhauen – aber es ist unverzichtbar.
Vielleicht habe ich mich mit meinen Artikeln zur Mitte der Gesellschaft und zum Erbe der Väter nicht richtig ausgedrückt. Aber wenn wir nicht auf diese Art gegen die Angst als bestimmendes Instrument des Wahlkampfes angehen, dann müssen wir wohl gehen und uns ein anderes Volk suchen.
Das wollen wir doch wohl nicht, oder?

Der Arzt, der technische Support und die Diskussion im social media

haben mindestens eine Gemeinsamkeit, die Erfahrung.

Klingt blöd, aber wart ihr schon mal beim Arzt und habt ihm erzählt was euch fehlt? Da könnt ihr mitunter erleben, dass er eine fertige Diagnose ausspuckt. Ohne weitere Fragen vermeint der Arzt zu wissen was euch fehlt. Grund dafür ist seine Erfahrung.*

Wenn sich der alte Laptop nicht im WLAN des neuen Routers anmelden lässt, dann ist eurer Supporter nicht um viele Antworten zum Problem verlegen. Es kann damit enden, dass er einfach eure WLAN-Karte als defekt erklärt oder es auf das Betriebssystem schiebt. Grund dafür ist seine Erfahrung.**

Im social media ist das nicht anders. Du äußerst Deine Meinung (ja oder nein) zu etwas und die Diagnose rechts oder links wird von den anderen „Diskutanten“ gestellt. Aus ihrer Erfahrung.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Der Arzt und der Supporter müssen einfach mal die richtigen Fragen stellen und nicht vermeinen die Antworten auf nicht gestellte Fragen zu kennen. Da sind wir uns wohl einig.

Im social media ist das nicht ganz so einfach. Nehmen wir das Beispiel Moschee in Leipzig-Gohlis. Ganz wichtig an dieser Stelle, es geht mir hier nicht um das pro und contra, es geht um die vermeintliche Diskussion und die Ergebnisse. Der Moscheen-Streit dient nur zur Illustration.

Für die Unwissenden zur Geschichte der Diskussion. In Leipzig-Gohlis soll eine Moschee gebaut werden und es gibt zwei Initiativen. Die eine für den Bau der Moschee wurde als Antwort auf die Initiative gegen den Bau gegründet.

Die Erstgegründete ist nun scheinbar*** nachweislich von Rechten unterwandert. Aber ist nun jeder der diese unterstützt auch rechts? Gibt es nicht einen Teil unter diesen, der andere Gründe für die Ablehnung hat?

Nehmen wir „Hans Franz“ der dort vielleicht gern einen Parkplatz sehen würde um die vollgeparkte Bleichertstrasse zu entlasten, oder „Lieschen Müller“ die vielleicht einen Kinderspielplatz haben will. „Oma Erna“ mit ihrer Angst vor Muslimen nicht zu vergessen.

Absurd ist es diese in die rechte Ecke zu stellen und besonders (wie im social media üblich) nicht mehr mit ihnen zu reden. Erstgenannte kann man vielleicht nicht überzeugen weil sie ihre Interessen durchsetzen wollen. Bei „Oma Erna“ sollte man aber nicht versuchen ihre Angst vor Muslimen durch die Angst vor „braunen Horden“ ersetzen.

Was will ich damit sagen?

Bei 5000 Unterschriften gibt es 5000 Gründe. Wenn wir nun nur einen Grund (vgl. Arzt und Supporter), aus unserer Erfahrung heraus, als Ablehnungsgrund sehen – dann verlieren wir alle 5000.

Dieser Weg ist bequem und wird zur Zeit beschritten, nicht nur bei der Moschee in Gohlis. Er ist effektiv im destruktiven Sinne.

Konstruktiv wäre es nun sich mit jeder/m Einzelnen und seinem/ihrem Ablehnungsgrund und seinen/ihren Ängsten zu beschäftigen. Das ist vielleicht nicht so effektiv im landläufigem Sinne, man erreicht nicht alle 5000. Es ist aber effektiv wenn man bedenkt, dass man vielleicht 1000, oder auch nur 100, erreicht deren Gründe nichts mit rechts oder links zu tun haben. Einfach gesagt, wir müssen sie und ihre Einwände ernst nehmen!

Was erreichen wir dadurch?

Wir bringen die Menschen zum Nachdenken. Auch wenn wir sie aktuell nicht auf unsere Seite ziehen, bringen wir sie dazu beim nächsten Problem auch uns zuzuhören – nicht nur ihren vermeintlichen Interessenvertretern beim aktuellen Problem.

Wir verweigern nicht den Dialog mit ihnen und sie nicht den mit uns.

Wir stellen uns nicht bockig an – sie auch nicht.

Stellen wir weiter nur die Frage rechts oder links, dann verlieren wir diese Menschen endgültig – an die rechte Seite.

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P.S. Da es mir hier um Diskussionskultur und nicht um den Moscheenstreit geht, habe ich hier nicht auf eine Seite verlinkt die sich mit dem Streit beschäftigt.  Der Link bei „Moschee in Leipzig-Gohlis“ geht zur Ahmaddiya-Homepage. Die geplante Moschee soll von dieser Gemeinschaft gebaut und betrieben werden. Die Zahlen zu den Unterstützern der Initiative sind fiktiv.

* In einem mir bekannten Fall wurde eine 15jährige mit Untergewicht von mehreren Ärzten auf Bulimie behandelt. Ein weiterer Arzt stellte später eine organische Ursache fest – noch rechtzeitig.

** Ein eigener Fall als Supporter. Als fünfter Ansprechpartner stellte ich die Fragen „Wie alt ist der Laptop?“ und „Kann er WPA oder nur WEP?“ Logisch, dass er sich nicht an einem WPA-Netzwerk anmelden kann wenn er nur WEP kann.

*** Persönlich bin ich der Ansicht, dass einige der Initiatoren dem rechten Spektrum angehören. Da ich dies nicht zweifelsfrei belegen kann bleibt es bei „scheinbar“.

Das Nachtreten gegen einen am Boden liegenden Gegner

ist feige, falsch, verlogen und lenkt von der eigenen Schwäche ab. Das ist ein Fazit welches ich aus dem Nach-Wahlkampf 2013 ziehe.

Mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht alleine, aber raus muss es doch.

Besonders zwei Parteien liegen in der medialen Sicht am Boden, nun wird unter dem Deckmäntelchen der politischen und gesellschaftlichen Analyse genüsslich nachgetreten.

Einer der großen Verlierer der btw13 heißt dort FDP. Gegner und Befürworter dieser Partei sind sich einig, dass diese Partei wichtig ist. Die Gegner halten sie für so wichtig, dass sie endgültig zerstört werden muss. Man muss so lange auf die liegenden Reste eintreten bis nichts mehr übrig bleibt. Die Befürworter halten sie für wichtig weil sie das Wort „Liberal“ im Namen hat und stilisieren sie zum letzten Hüter der individuellen Freiheit in der politischen Landschaft Deutschlands herauf.

Der zweite Verlierer sind die Piraten. Dort das Gleiche, treten durch Gegner und zum Unterschied zur FDP durch ehemalige Funktionäre und Sympathisanten. Allerdings fehlt hier im medialen Echo die Verteidigung.

Ist das nun wirklich so wie dargestellt?

Verloren bei der btw13 hat tatsächlich der Gedanke der Freiheit (lat. libertas) in zwei Erscheinungsformen. In der Form des Wirtschafts- und Marktliberalismus bei der FDP und in der liberitären Form der Gewissens-, Rede- und Meinungsfreiheit der Piraten.

Die Gegner, die jetzt nachtreten, braucht man nicht weiter zu betrachten. Eine Anmerkung nur zu Jan Fleischhauer der meint

„Es gibt nicht nur rechten Pöbel, es gibt auch einen Mob links der Mitte.“ [1]

Nicht alle, die gegen die FDP pöbeln sind links. Genau so wenig wie sich alle Hooligans für Fußball interessieren. Es gibt einen großen Teil bei Twitter, Facebook usw die auch auf die Linke, die Grünen oder die CSU in gleicher Weise hergezogen wären. Weil sie ihren Spass daran haben auf den am Boden Liegenden einzutreten.

Ein gewisser Spott ist aber durchaus gerechtfertigt. Ich kann nicht jahrelang erzählen, dass der Markt alles regelt und mich dann erregen, dass der „Wähler-Markt“ es anders regelt als es mir gefällt.

Aber mal zurück zur Freiheit.

Mir persönlich liegt der liberitäre Ansatz näher als der marktliberale. Was ist also schief gelaufen mit der Rede- und Meinungsfreiheit?

Eigentlich etwas ganz Banales, Einfaches. Das alte Spiel.

Wenn ich Freiheit der Rede für mich reklamiere, dann muss ich sie auch dem Anderen, dem Andersdenkenden zugestehen.

Freiheit der Rede muss zum Dialog, zum Gedankenaustausch führen. Dieser kann durchaus auch die Form des Streites annehmen. Allerdings des konstruktiven Streites, nicht des Niedermachens, des Shitstorms.

Der berühmte Satz von Rosa Luxemburg

„Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“

geht nämlich weiter. Er heißt vollständig

Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.“ [2]

Also ganz einfach in der Theorie.

  • Eine Diskussion wird nicht besser, wenn ich auf meiner Wahrheit bestehe – der Andersdenkende hat seine eigene Wahrheit.
  • Wenn eine „Führung“ bestimmt was die Wahrheit ist, dann haben wir das „Privileg der Freiheit“.

Was brauchen wir also um eine Diskussion und einen konstruktiven Streit zu führen?

Wie wäre es denn mal mit der Akzeptanz des Andersdenkenden.

Gebrauchen wir nämlich den Begriff von Luxemburg, dann denken wir auch daran, dass er denkt – genau wie wir nur mit einem anderen Ergebnis.

Vielleicht klappts dann auch mit dem Nachbarn.

[1] S.P.O.N., Der schwarze Kanal, FDP Hass by Jan Fleischhauer

[2] Rosa Luxemburg, Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, Berlin 1920 S. 109; Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke Band 4, S. 359, Anmerkung 3 Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983( zitiert nach wikiquote)

Piraten wähl ich nicht!

Die streiten sich nur.

piraten-antworten

Schon mal drüber nachgedacht lieber Nachbar?

Du bist gegen Filz und Korruption, gegen Mauscheleien in Hinterzimmern sagst Du.

Dann dieser Vorwurf, da frage ich mich doch wirklich.

Merkst Du eigentlich wie unglaublich dumm widersprüchlich das ist?

Ein fiktiver bayerischer Bürgermeister-Wahlkampf einer CSU Ortsgruppe sieht wohl so aus, dass im Hinterzimmer der Wirtschaft die Fetzen fliegen. Allerdings, bevor der Kandidat dann herauskommt richten alle ihre Anzüge und haben sich eine „gemeinsame Sprachregelung“ überlegt. Glatt und geschniegelt geht’s dann auf den frustrierten Wähler zu, der nur schlucken kann was sie ihm anbieten. Er weiß nicht wofür der Kandidat persönlich steht.

Du wetterst gegen den Koalitionszwang im Bundestag? Dein Kandidat darf dort nicht so abstimmen wie er es Dir versprochen hat.

Bei den Piraten redest Du aber von öffentlichem Streit.

Aber was rede ich eigentlich?

Denk selber nach!

Einfache glatte Antworten findest Du hier nicht. Dafür jede Menge Fragen und Gesprächsbedarf.

Zum Nachdenken bleiben Dir noch fast drei Tage.

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