Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

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Leute es wurde ja auch mal Zeit!

Schriftsteller gegen Überwachung

So sehr ich diesen Aufruf begrüße, nicht dass die Unterzeichnenden Wert darauf legen, sei eine kleine historische Parallelität hier angebracht.

Der 09. Oktober 1989 ist der eigentliche Todestag der DDR-Führung. An diesem Tag gingen Bürger der DDR in Leipzig auf die Straße. Bürger die eine „chinesische Lösung“ des Problems vor Augen hatten und trotzdem an der Demonstration teilnahmen. Die DDR-Führung kapitulierte.

Am 04. November 1989 fand eine Kundgebung der Berliner Kunst- und Kulturschaffenden in Berlin statt. Dort versammelten sich Künstler aller Coleur um gegen den Staat, den es de facto nicht mehr in der alten Form gab, zu demonstrieren. 20 Jahre später behaupteten sie fast schon, dass sie die DDR abgeschafft hätten.

Es ist mir egal wer da was behauptet, das Ergebnis zählt – nicht meine Befindlichkeiten.

Nun gibt es einige unter uns die schon seit längerer Zeit gegen Überwachung, massenhafte Verletzung der Privatsphäre, Generalverdacht gegen jeden Bürger und ähnliche Auswüchse protestieren. Es hat sich vor langer Zeit, als alle anderen Parteien noch schliefen, eine von vielen verlachte Partei gegründet, die genau diese Themen in den Vordergrund stellt. Auch Bürgerinitiativen arbeiten schon an diesem Thema.

Dieser Aufruf ist wichtig! Ebenso die Aktion der üblichen Verdächtigen der Internetbranche.

Hoffentlich schafft es dieser Aufruf endlich die Aufmerksamkeit zu wecken die das Thema verdient.

Auch die Vertreter der post privacy sollten noch einmal nachdenken über diese Definition der Überwachung. Ein Zitat nur:

Überwachung ist Diebstahl. Denn diese Daten sind kein öffentliches Eigentum: Sie gehören uns.

Vielleicht, sogar gewiss, ist es nicht so gemeint (ich habe den Absatz ja gekürzt), aber es ist von Eigentum die Rede. Auch der Prophet der post privacy sollte bedenken, dass sein Eigentum – der Inhalt seines nächsten Buches mit dem er seinen Lebensunterhalt verdienen will – auf seiner Festplatte liegt. Wenn also alles öffentlich ist, wozu soll ich dann sein Buch kaufen und womit er seine Brötchen? Ich weiß, der Vergleich hinkt – aber tut was dagegen.

Wie schon eingangs gesagt, ich begrüße diesen Aufruf ausdrücklich, ebenso wie die Aktion von APPLE, GOOGLE & Co.

Am Ende wird es mir egal sein wer sich in 24 Jahren den Lorbeerkranz aufs Haupt setzt.

Hauptsache ist, dass diese Überwachung beendet wird!

Schriftsteller

Bildquelle: FAZ 10.12.2013

Was für ein Oktober

Ich meine hier allerdings nicht das Wetter, das war meist schön, noch die Marienkäfer die irgendwie überhand nehmen. Allerdings ist es die bräunliche Variante, also nicht zu verwechseln mit denen, von denen wir im Jahr 89 sagten „Das sind keine Marienkäfer, das sind weggeworfene Parteiabzeichen“. Nun ja, die asiatischen Emigranten kommen auch ohne Green-Card.

Ich habe mal am vorletzten Tag des Monats in meine Beiträge bei Google+ geschaut und die, mir im Laufe des Monats wichtig erschienenen, Themen angesehen.

Da war je die BILD – unsere „größte deutsche Tageszeitung“. Die hatte doch am 1.10. geschrieben Deutschland wird zum Job-Paradies …EIN SCHLARAFFENLAND FÜR ARBEITNEHMER, wie sich das nun für jeden einzelnen im Laufe des Monates darstellte, daran mag ich nicht denken. Ich zumindest habe bei meinen Vorstellungsgesprächen keinen Dienstwagen angeboten bekommen.

Am gleichen Tag war aus US-Geheimdienstkreisen zu hören, dass die Griechenland-Pleite 2 Billionen Euro kosten wird. Das hat sich ja so weit noch nicht geändert.

Dann war da noch der Tag der Deutschen Einheit, dazu habe ich mich nicht allzu feierlich, eher nachdenklich geäußert. 4 Tage später wäre ja dann der 62. Jahrestag der Gründung der DDR gewesen. Aber 1989 wurde sie ja frühberentet.

Dann zog sich ja das Thema Griechenland, Euro-Rettung, Rettungsschirm und so weiter durch den gesamten Monat. Meine Frage Wo ist das Geld? konnte ich bis heute nicht beantworten.

Auch die Piraten, die ja nun erstmals in ein Parlament einzogen, beschäftigten uns bis zur Mitte des Monats. Wie erreicht man den Bürger? fragte ich mich am 5. Oktober, dann kam das Outing der ehemaligen NPD-Mitglieder und die Frage nach dem Handlungsbedarf und dem Umgang mit den „alten Medien“. Irgendwie ist es aber ruhiger geworden. Sehen wir also mal was der November bringt. Natürlich ist in dem Zusammenhang auch der Streit zwischen SPD und Grünen zu sehen, aber das war nicht anders zu erwarten.

Dann natürlich haben wir alle über Kauder, Uhl und Friedrich geschimpft, uns über den Staats-Trojaner erregt. Über Kauder haben wir dann gelacht, mehr oder weniger, als er selbst sich das Internet hätte sperren müssen. Wir sind also ein krankes Volk, das hatte ich allerdings schon Ende September geschrieben.

Und Steve Jobs starb. Liebesbekundungen, Hasstiraden, Heiligsprechung und Häme lagen in den Medien Kopf an Kopf. Ich selbst sehe das noch so wie in dem Moment als ich die Nachricht las.

Mal sehen, wenn ich Lust habe sehe ich mir später mal an was sonst noch passiert ist im Oktober.

Google+ und die Pseudonyme

Seit gestern überschlagen sich die Meldungen, dass Google sich geschlagen gibt. Und zwar im Kampf um die Verwendung von Pseudonymen bei Google+.

Auch SPON schrieb Google-Manager verspricht Pseudonyme, relativiert das aber.

Ob Gundotras Äußerungen einen Kurswechsel ankündigen, ist unklar. Zur konkreten Umsetzung hat der Google-Manager sich nicht geäußert. Google könnte Registrierungen unter Pseudonym erlauben. Denkbar ist aber auch, dass bei Google+ eine Registrierung mit dem echten Namen weiterhin verpflichtend ist, dieser aber nicht in jedem Fall öffentlich angezeigt wird. Eine solche Lösung würde jedoch bedeuteten, dass bei Google+ Pseudonyme und echte Namen miteinander verknüpft hinterlegt sind.

Ich sage ungern, das entspricht meiner Meinung.

Das Geschäftsmodell von Google beruht ja schließlich auf der Identifizierung des Nutzers. Dieser soll eindeutig nach Alter, Geschlecht, sozialer Zugehörigkeit, Bildung usw. erfasst sein. Ich meine hier ausdrücklich nicht eine quasi Bespitzelung. Das ist einfach nötig, damit Google Geld verdient.

Aus den Diskussionen geht für mich eigentlich ein Missverständnis hervor.

Man redet von Pseudonymität und meint Anonymität.

Die Möglichkeit der Verwendung von Pseudonymen bei Google+ wird nun definitiv, meiner Meinung nach, eben keine Anonymität.

Das ist, finde ich, auch gut.

Gut für die Diskussionen, da man sich mehr oder wenige darauf verlassen werden kann, dass hinter einem Namen auch wirklich ein konkreter Mensch steht. Weil man davon ausgehen kann, dass sich nicht jemand, wie in manchen Foren, unter mehreren Namen anmeldet und Diskussionen „zumüllt“.

Warum ich mich, mehr oder weniger, darauf verlasse?

Weil Google ein starkes Motiv dafür hat. Google will Geld verdienen!

Angesichts von inzwischen an die 40 Millionen Nutzern wäre die Beibehaltung der bisherigen strikten Regelung bei Google+ über kurz oder lang schon an der schieren Zahl der zu prüfenden Profile gescheitert.

Das sehe ich nicht so, ich neige nicht dazu Google zu unterschätzen. Die Überprüfung läuft wohl meist automatisiert und die User identifizieren sich durch Querverweise meist selbst irgendwie.

Herr Dr. Hans-Peter Uhl und der Beschützerinstinkt

Als ich gerade nach Hause kam lief der Stream bei Google+ über mit Angriffen auf o. g. Herrn. Eine kleine Verteidigung sei mir gestattet.

Also mal ehrlich, ich weiß gar nicht was es an der Rede von Herrn Dr. Hans-Peter Uhl auszusetzen gibt.

Er hat uns doch nun ganz deutlich klar gemacht worum es ihm geht. Er will uns schützen – und das ist gut so!

Besonders das Beispiel mit den ausländischen Internet-Kriminellen aus Bayern zeigt doch, dass das Internet streng überwacht werden muss. Hoppla, wie war das doch gleich? Die haben über das Internet Waren zu Schnäppchenpreisen angeboten, 20.000 Bundesbürger haben 40 Millionen Mark überwiesen – die sind sie jetzt los.

Das ist Schwerkriminalität, das kann man nicht dulden.

Soweit zu heute, aber was wird morgen. Erinnern wir uns, die Rentner in der Bundesrepublik werden per Post zu Kaffeefahrten eingeladen, dort werden sie dann zu Käufen von minderwertigen Waren gepresst. Also überwachen wir morgen die Post.

Übermorgen fällt uns dann ein, dass wir uns vor kriminellen Postsendungen oder Werbeanrufen aus dem Ausland schützen müssen. Die Post kontrollieren wir dann an der Grenze, am besten überwachen wir flächendeckend Auslandstelefonate.

Warum erinnert mich das an etwas? Woran nur? Vielleicht liegt es daran, dass ich aus Leipzig komme.

Was fällt einem Mann der wörtlich sagt „Das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet!“, dann erst nächste Woche ein?

Mal ehrlich, ich weiß nicht ob ich die Piraten wirklich in der Regierung sehen will, die Jungs und Mädels vom CCC wollen, glaube ich nicht dorthin.

Aber ich weiß, dass Kriminalität verfolgt werden muß – ich glaube das wissen alle.

Aber, Herr Dr. Uhl, so wie Sie das (scheinbar) wollen – so will ich das nicht.

P.S. Der Artikel zeigt natürlich nur eine mögliche Interpretation.

Social Media als virtueller Kneipentisch

schöne Überschrift (Schulter klopf), wie komme ich darauf?

Heute früh, gegen 08.00 Uhr stellte Mirko einen Beitrag bei Google+ ein, zu einem Artikel auf sueddeutsche.de .

Im Verlaufe der Diskussion, die allerdings zum Dialog ausartete  😉 kamen wir auf das Image des Bankers zu sprechen und Mirko stellte folgende These in den Raum:

Gerade Social Media bietet enorm gute Möglichkeiten, die Menschen zu zeigen, die in Banken Gutes und wertvolles tun.

Wie gewohnt geht es mir ja nicht um die Banken und Banker, oder um deren Image. Es geht mir um Social Media. Um die Einflüsse die Social Media auf unsere Meinungsbildung hat und auf die von Mirko angesprochenen Möglichkeiten.

Dazu meine Ausführungen aus dem „trauten Zwiegespräch“.

Nehmen wir Social Media als virtuellen Kneipentisch. Einer, der Mirko, postet einen Artikel über unzufriedene Bankkunden. Er ist aber selbst mit seiner Bank zufrieden. Nun kommen 99, von 100, Kommentare die negative Erfahrungen bestätigen. Schauen wir aber nach, dann sind es ca. 95 die nur von Gehörtem und Gelesenem berichten. 4 sind eigene Erlebnisse und der eine positive läuft ja mit seiner gegenläufigen Meinung in Gefahr als Unterstützer der Banken verunglimpft zu werden. Obwohl er nur sagt, dass er mit seiner Bank zufrieden ist.
Hier sehe ich die „enorm guten Möglichkeiten“ von Social Media anders als Du, weil die Menschen eben am virtuellen Kneipentisch agieren.

Mirko widersprach dem natürlich, indem er darauf verwies, dass Meinungsbildung doch etwas subtiler abläuft, worauf ich meine Auffassung folgendermaßen begründete. Wie gewohnt anhand eines Beispieles.

Ein Bild (Artikel) sagt mehr als tausend Worte (im Handelsblatt oder so). Warum? Weil er kurz ist und gelesen wird. Das ist eben die „Kneipentisch-Kommunikation“. Ein unzufriedener Kunde erzählt die negative Begebenheit 10 Leuten, ein zufriedener Kunde meist niemandem. Warum nicht? Weil es normal sein sollte, dass ich zufrieden bin mit einer Leistung die ich bezahle. Meist wird Zufriedenheit mit der Bank (um beim Beispiel zu bleiben) nur als Untermauerung eines unbefriedigenden Zustandes, also als Ausnahme, geäußert. (gemeint ist hier, dass jemand sagt, die Banken sind schlecht, die Banker Verbrecher, aber ich habe auch schon etwas positives erlebt.)

Das ist ja nun eigentlich der (für mich normale) Ablauf der Kundenresonanz auf ein Unternehmen und seine Leistungen.

Wie will man das im Social Media nun beeinflussen und geht das überhaupt?

Wenn ich mich also im einzigen Netzwerk (Google+) in dem ich aktiv bin umschaue, dann erhärtet sich meine Auffassung vom virtuellen Kneipentisch, der Ausdruck ist nicht negativ gemeint, er gefällt mir nur. Der Unterschied zum realen Kneipentisch ist, dass die Runde größer ist und die Akteure Zeit zum Verfassen ihrer Kommentare haben.

Ansonsten haben wir die Ausgangssituation, dass Themen angesprochen werden, untermauert mit Quellen (die teilweise einer Prüfung nicht standhalten) und dann emotional darüber diskutiert wird. Für die Bewertung des Themas ist der allgemeine „Zeitgeist“ entscheidend, in unserem Beispiel sind Banken und Banker also die Bösen. Unabhängig von anderen Quellen und eigenen Erfahrungen werden also gezielt weitere Quellen gesucht (und gefunden), die diese Bewertung stützen. Es entsteht ein Konsens, gegen den man kaum „anstinken“ kann. Wo sind also die enorm guten Möglichkeiten für die Gegendarstellung?

Was ist also von der Imagepflege durch Social Media Experten zu halten?

Hat jemand eine Idee?

Ich bleibe dabei, es ist ein Kneipentisch, aber ein guter. Sonst wäre ich ja auch schon aufgestanden und gegangen.

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