Reden wir darüber

Das Blog von Thomas K. "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst." [Voltaire]

Archiv für das Schlagwort “Josef A. Köhler”

Was für ein Jahr – 2013 im Blog

Ehrlich gesagt, es ist der erste Jahresrückblick den ich hier schreibe.

Obwohl sich der tiefere Sinn eines Rückblicks mir nicht erschließt mache ich es einfach mal.

Bei der Durchsicht meiner Beiträge habe ich bemerkt, dass sich einige Themen durch das ganze Jahr ziehen. Manchmal hatte ich das schon vergessen. Also nehme ich mal als Sinn eines Jahresrückblicks die eigene Rück-Erinnerung. Außerdem kann ich euch damit belästigen. Das Blog ist für mich wahrscheinlich wichtiger als für euch. Ich merke, dass ich mich auch ohne Resonanz mit den Themen über die ich schreibe intensiv auseinandersetze.

Im Januar gab es da zum Beispiel einen Artikel zur Deutschen Sprache. Wie immer ging es um den politisch korrekten Sprachgebrauch. Änderungen in alter Literatur lehne ich nach wie vor ab. Den vorläufig letzten Artikel dazu schrieb ich im August, betreffs des Zigeunerschnitzels. Auch meine Diskussionen mit einem mir gut bekannten Kulturwissenschaftler zur Notwendigkeit dieser Themen änderten nicht wirklich grundlegend etwas an meiner Einstellung zum Thema. Ich begann auch Artikel zum Umgang mit Homosexualität zu schreiben. Nicht zu der sexuellen Orientierung als solcher sondern zu unserem Umgang mit Schwulen und Lesben. Das zog sich durch das ganze Jahr bis in den Dezember. Allerdings da nur in einem Nebensatz zur Zuverlässigkeit der SPD. Hier spielte natürlich auch die „Familien Konferenz“ des compact-Verlages im November eine Rolle.

Im Februar stellte selbst BILD fest, „Wir sind nicht mehr Papst“. Benedikt trat zurück und ich konnte die Aufregung nicht verstehen, begrüßte die Entscheidung aber. Wenn auch aus eigenen Gründen.

Die Beschäftigung mit der Biographie meines Vaters und dem Sprachmittlerberuf in der DDR zog sich durch das erste Halbjahr, aber im März war der 90. Geburtstag. Eigentlich sollte das Buch da fertig sein. Wird eben später.

Im April war Ruhe, es starb the witch und wie schon des Öfteren beschäftigte ich mich mit Europa und den Menschenrechten.

Der Wonnemonat Mai war ein fauler Monat, ja ja die Frühlingsgefühle, aber die lost generation ließ mich doch auf der Tastatur klimpern. Wie oft gegen die allgemeine Meinung.

Zur Jahresmitte, im Juni, ging es dann richtig los. Zwischen zwei Artikeln zur Demokratie geschah etwas Unglaubliches. Ein Mann veröffentlichte Dokumente der NSA die zeigten, dass wir alle überwacht werden. Und ich zweifelte seine Motive an. Auch heute kann ich mich nicht dafür entschuldigen. Wer konnte ahnen, dass die NSA so eine miese Datensicherheit hatte.

Im Juli 2013 schrieb ich über meine ungewollte berufliche Neuorientierung und begann mich mit der „Überwachungsthematik“ zu beschäftigen. Nach wie vor stehe ich dazu, dass wir eigentlich nicht davon überrascht sein dürften. Literatur und Fernsehen hatten uns ja schon darauf vorbereitet.

Ab August war Wahlkampf. Ich hatte mich bereits entschlossen wen ich wählen würde, äußerte mich aber noch nicht eindeutig. Natürlich stand das Thema Überwachung ganz vorn, aber auch zum Thema innerstädtische Verkehr musste ich meinen Senf dazu geben. Zum Jahresende kam ich nochmals darauf zurück. Am Ende des Monats konnte schon jeder lesen wen ich wählen würde. Und immer wieder die Frage der Demokratie und auch schon die „Asylproblematik“.

Der Wahlmonat September stand natürlich unter der Wahl-Thematik. Meine Vorstellung „Wir brauchen ein Parlament welches Monarchen gern verbieten würden“ sollte ausdrücken, dass bei der Wahl eben nicht eine Regierung sondern ein Parlament gewählt wird. Schade, hat nicht geklappt. Am Tag vor der Wahl habe ich dann auch endlich meinen Kandidaten aufgesucht. Ganz für mich habe ich dann die Wahl 5 Tage danach analysiert und musste feststellen, dass sich nichts geändert hat. Merkel blieb Kanzlerin „Weil sie eine gute Mutti ist“, wie ein Bekannter sagte. Die Wahlthemen der „Verlierer“ konnten einfach nicht ausreichend kommuniziert werden. Der Beginn der Verhandlungen zur Regierungsbildung sah schon wie das Ergebnis aus. Der Artikel „Wenn ein Hund gegen einen Hydranten pinkelt“ wurde missverstanden. Er sollte ausdrücken, dass nicht die Geheimdienste das Problem sind sondern die Regierungen. Was solls?

Zeitgleich mit meinem Mitgliedsantrag schrieb ich Anfang Oktober einen Abgesang auf die Piraten. Natürlich nur über das Anstimmen desselben durch die Medien. Als Tom Clancy starb, starb mit ihm ein Schriftsteller der schon lange über die neuen Formen der Überwachung geschrieben hatten. Allerdings stimmte er dieser zu. Seine Bücher waren eine Quelle für Informationen. Ich habe ihn des Öfteren zitiert. Ansonsten war der Oktober den Themen Umgang mit Anderen, Diskussionskultur und der Privatsphäre gewidmet. Natürlich auch dem Flüchtlingsdrama und der DDR-Vergangenheit. Auf den Brief an Angela Merkel habe ich natürlich keine Antwort bekommen. Schade eigentlich.

Über November und Dezember brauche ich nicht viel zu schreiben. Privatsphäre, GroKo, Mindestlohn, Hartz IV und eine persönliche Geschichte waren die Hauptthemen.

Wisst ihr was?

Ich freue mich auf 2014.

Aber nur wie Karl Valentin auf den Regen.

„Ich freu mich wenns regnet. Wenn ich mich nicht freue regnets ja auch.“

Also:

Ich freu mich, dass 2014 kommt. Wenn ich mich nicht freue kommt es auch!

Also, bis nächstes Jahr.

Weggefährten – Ernst Hassenrück

Im Biographieblog zu Josef A. Köhler gibt es einen neuen Artikel.

Ernst Hassenrück war von 1959 bis in die 70er Jahre ein Kollege und Freund.

 

Weitere Infos zur Person erwünscht.

Das Übersetzerkollektiv Leipzig

Nach der (vorläufigen) Zusammenfassung zur Biographie von Wolfgang Höher habe ich nun auch die bisherigen Erkenntnisse zum Übersetzerkollektiv Leipzig veröffentlicht.

Kritiken, Informationen und Meinungen sind immer willkommen.

Wolfgang Höher

In dem nachfolgend verlinkten Artikel habe ich meine Kenntnisse über die, für meine Forschungsarbeit zu Josef A. Köhler, wichtige Person des Wolfgang Höher veröffentlicht.

Wolfgang Höher, bereits mehrfach in der Literatur über die 50er Jahre erwähnt, war eine scheinbar unwichtige Personalie im Kampf der Geheimdienste. Ob dies wirklich so war, das kann ich hier noch nicht einschätzen. Aber unbedeutend ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck für ihn.

P.S. Ich habe den Artikel im Marjorie-Wiki veröffentlicht, da ich mir nicht sicher bin, ob die Relevanzkriterien für wikipedia erfüllt sind. Außerdem war es so stressfrei.

Josef A. Köhler 8

Ich mache, nach längerer Zeit mit der Geschichte von Josef A. Köhler weiter. Der letzte Eintrag beschäftigte sich mit der Untersuchungshaft nach der Festnahme am 07. Juni 1951.

In einem Fragment seiner Lebenserinnerungen schreibt er:

Einundvierzig Tagen Einzelhaft, bei sich täglich wiederholenden Nachtverhören ohne Gewalteinwirkung, mit der ständig wiederkehrenden stereotypen Frage nach meinen Auftraggebern und meinen Verbrechen, die ich gegen die Sowjetvölker begangen hätte, folgten bange Monate in einem Untersuchungsgefängnis in Karlshorst, von wo ich über das Etappengefängnis in der Magdalenenstraße in Lichtenberg zusammen mit anderen Verurteilten nach Moskau und weiter an den Polarkreis in das Arbeitsbesserungslager Wessljana deportiert wurde.

Auch das FSB (Nachfolger des KGB) bestätigt diese Aussage

Köhler wurde über das Gefängnis Nr. 1 in Brest von Deutschland aus in das Lager Ustwymlag [USTWYMITL] in der Autonomen Sowjetrepublik Komi überstellt, wo er bis zum Dezember 1953 interniert war.

und Josef A. Köhler schreibt dies auch 1988 in seinem Brief an Andrej Gromyko. Allerdings ist in den mir vorliegenden Unterlagen keine Lagernummer angegeben. Der Lagerkomplex umfasste über 40 Lager.

Es gibt aber durchaus Unklarheiten, was den Lageraufenthalt betrifft.

Frau

In einem alten Fotoalbum fanden sich zwei Bilder von jungen russischen Frauen mit Widmungen auf der Rückseite. Die eine ist nicht mehr lesbar, die andere (teilweise lesbare) lautet:

… meine traurigen Augen sind zu dir gerichtet […] zur Erinnerung. Seni […]  Stadt Taganrog  […] S. Masterow [evt. Straßenname] Taja  [wahrscheinlich für Taisia]

Taja

Datiert ist diese am 08.03.1952, wobei nicht ganz klar ist, ob es sich bei der Ortsbezeichnung um den Ort der Widmung, oder um den Heimatort der Frau handelt. „Seni“ (Сени) ist nicht eindeutig lesbar, es kann ebenso „Sepi“ (Сепи) heißen, das wäre eventuell die Koseform von „Sepp“ (Josef).

Damit hören aber die Unklarheiten nicht auf.

Widmung

In Dokumenten des MfS der DDR taucht die Behauptung einiger IM auf, dass Josef A. Köhler in dieser Zeit beim Justizministerium der UdSSR arbeitete. Er wäre dort in einer Arbeitsgruppe gewesen, die sich mit der Repatriierung von Nazi- und Kriegsverbrechern beschäftigte. Die Quellen für diese Behauptungen sind allerdings nicht eindeutig.

Sicher ist aber, dass Josef A. Köhler im Mai oder Juni 1953 im Lager Kwardeisk (Tapiau) auftauchte. In diesem Lager wurden die Heimkehrer aus den Kriegs- und Strafgefangenenlagern, vor ihrer Heimkehr, gesammelt.

Nach Aussage von Zeitzeugen war er dort Lagerleiter bzw. Kulturbeauftragter. Er selbst sprach immer von der Kulturarbeit, die er dort gemacht hatte.

Josef A. Köhler wurde am 27.12.1953 den Behörden der DDR übergeben und am 28.12.1953 aus dem Lager Fürstenwalde/Spree nach Leipzig entlassen.

Ausführlicher im Blog Versuch einer Biographie nachzulesen.

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